Leseempfehlung: Reformbedarf in der Primärversorgung : für ein zukunftsfestes Gesundheits- und Pflegewesen
- 16. Apr.
- 2 Min. Lesezeit
Leseempfehlung by Marie-Luise Gaßmann

Kennt ihr schon das Papier der Friedrich-Ebert-Stiftung zum Reformbedarf in der Primärversorgung: Wenn Deutschland sein Gesundheits- und Pflegewesen zukunftsfest machen will, muss Pflege in der Primärversorgung endlich gleichberechtigt mitgedacht und strukturell verankert werden. Pflege ist nicht länger nur „Mitversorger“, sondern zentraler Akteur in einem generalistischen, biopsychosozialen Versorgungsansatz über die gesamte Lebensspanne.
Primärversorgung darf nicht mehr auf hausärztliche Versorgung bezogen werden. Gefragt ist ein multiprofessionelles Verständnis, das in der Pflege eigenständige Aufgaben in Prävention, Beratung, Monitoring und im Management chronischer Erkrankungen übernimmt, so wie es auch mit #BEEP strukturell verankert werden kann. Gerade für Menschen mit Multimorbidität und Pflegebedarf kann eine starke pflegerische Rolle in der Primärversorgung Versorgungsbrüche reduzieren, Krankenhausaufnahmen vermeiden und Lebensqualität sichern. Für das Management verschiebt sich damit die Rolle deutlich – vom reaktiven „Ressourcenverwalter“ hin zum aktiven Versorgungsarchitekten auf regionaler Ebene. Es geht darum, primärversorgende Netzwerke zwischen Hausärzten, ambulanten Pflegediensten, Therapieberufen und sozialen Angeboten mitzugestalten, Schnittstellen zwischen SGB V und XI zu organisieren und Case- und Care-Management strukturell zu verankern. Gerade in den geplanten Primärversorgungsregionen eröffnet sich hier ein Feld, in dem pflegerische Leitungskompetenz wesentlich über Versorgungsgüter und -zugänge mitentscheidet wird. Doch bisher sind alles nur Modellvorhaben, je nach Versorgungs-Notlage der Regionen.
Hinzu kommt: Digitalisierung und koordinierte Behandlungspfade sind zentrale Hebel dieser Reform. Die Profession Pflege kann und muss eine Schlüsselrolle bei digitalen Assessments, Teleberatung, Monitoring und in der Koordination komplexer Verläufe übernehmen. Gerade bei der gestuften Einführung eines Primärversorgungssystems, das zunächst besonders chronisch Kranke, Multimorbide und Pflegebedürftige in den Fokus nimmt, sind pflegerisches Case-Management, Community Health Nursing und Advanced Practice Nursing keine „Add-ons“, sondern systemrelevante Funktionen.
Die Botschaft an die Profession ist klar: Diese Reform ist eine Machtfrage. Wenn Pflege und Pflegemanagement ihre Rolle in der Primärversorgung nicht aktiv einfordern und mitgestalten, werden andere Akteure die Spielregeln definieren. Jetzt ist der Zeitpunkt, Pflege als strategischen Kern einer modernen Primärversorgung zu positionieren – mit eigener Expertise, eigener Verantwortung und klaren Führungsansprüchen.



